Andacht am 15.02.2010, Pfarrer Martin Kreuser

Narri – Narro, Alaaf und Helau: eine frohe Fassenacht allen Gästen der Vesperkirche LB!

Jedem Narren seine Kappe, jedem Teufel seine Hörnle und jedem Engel seine Flügel: zum Fasching gehört die Verkleidung, gehören die Masken.
Der eine kommt als Pirat daher, die andere als Prinzessin. Im Karneval gibt’s Cowboys und Indianer, den Nachtkrabb und Napoleon, Rumpelstilzchen und Schneewittchen – alles Rollen, in die Narren gerne hineinschlüpfen.

Aber nicht nur an Fasching sind wir Maskenträger. Nein, auch sonst tragen wir etwas vor uns her, tragen wir eine Maske oder spielen eine Rolle.
Da gibt einer den coolen Typ, der alles im Griff hat und nichts an sich ran lässt – und hinter der Maske sieht’s gar nicht so rosig aus. Dahinter versteckt sich vielleicht ein verängstigtes Menschlein. Eines, dass es mit sich und seinem Leben viel schwerer hat, als es nach außen hin eingestehen kann.
Da tut einer so, als ob es bei ihm oder bei ihr immer gut läuft und alles gelingt – aber seine Lebensprobleme haben ihn längst schon überrollt und platt gemacht und er ist dran wie unter die Walze gekommen.

Wir geben uns so, dass Andere nichts merken.
Wir spielen eine Rolle, um zu punkten und anzukommen.
Wir wissen, welche Story wir aufsagen müssen, damit wir über Wasser bleiben.
ABER wie sieht’s innen drinnen aus?

Bin ich da verletzt von anderen Menschen, die mich im Stich gelassen haben – oder enttäuscht von mir selber, weil ich davon gelaufen bin??
Manche Masken, manche Rollen sind über-lebensnotwendig. Ohne Maske wären wir schutzlos, und unser Innerstes würde zu Tage liegen. Ein jeder könnte daher kommen, könnte darauf herumtrampeln – und drum rum schauen sie zu, weil sie kein Verständnis haben und keine Gnade kennen.

Ein Mensch sieht, was vor Augen steht – Gott aber sieht das Herz an.

EINER aber schaut hinter meine Maskerade. Nicht, um mich fertig zu machen. Nicht, um mich vorzuführen. Sondern weil ich ihm am Herzen liege.
EINER schaut hinter die Maske, weil er das verängstigte, verunsicherte und verletzte Menschlein, das sich dahinter notdürftig versteckt, weil ER dieses Menschlein einfach lieb hat!
EINER sieht mich an mit den Augen der Liebe. Und das tut gut. IHM muss ich nichts vormachen. ER kennt mich, immer schon, und nimmt mich so an, wie ich bin.

Wo Gott hinschaut, fällt ein Licht auf mein Leben. Alle Regungen meines Herzens zum Guten hin schaut er an, nimmt sie in SEINE Hand und weiß sie zu vollenden.
Gott sieht das Herz an. ER vertraut darauf, dass ich sein Kind bin und bleibe – egal, wo ich gelandet bin, egal, was aus mir geworden ist. ER traut es mir zu, dass ich durch die Maske hindurch auf ihn schaue – und VATER zu ihm sage.

Himmlischer Vater,
Danke, dass du da bist.
Danke, dass Du ein Zuhause hast, hier in der Kirche,
wo ich aufatmen darf  und satt werden kann.
Und bitte, lieber Vater, lass mich nicht allein, in dem, was kommt.
Leite mich mit den Augen der Liebe.
Denn Du siehst das Herz an. Amen


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus,
die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!