Andacht am 19.02.2011, Pfarrer Jürgen Pratz

Glück

Es gibt wenige Fragen, die uns so sehr interessieren wie die Frage nach dem Glück.
Was ist das eigentlich – das Glück? Darauf gibt es bestimmt unzählige Antworten – und wenn einer von seinem Glück erzählt, spitzen wir die Ohren, weil wir vielleicht erwarten, ein Rezept zum Glück erhaschen zu können. Allein schon wie einer davon redet, ist unterschiedlich: der eine wird lebhaft, ein anderer ganz tiefsinnig und der dritte weiß gar nicht so genau, wie er sein Glück beschreiben kann – es ist halt Glück.

Für den einen ist’s ein Glück, sich mal wieder richtig satt essen zu können, eine warme Stube zu haben, den Bescheid zu bekommen, dass für die nächsten Monate das Auskommen gesichert ist. Glück, wenn ich einem Menschen begegne, der mir gut tut, mich so nimmt, wie ich bin, mir neue Wege zeigt. Ja – und für manchen – aber das ist für mich dann schon der wahrhaft arme Mensch, für manchen beginnt das Glück erst mit dem 6er und Superzahl im Lotto. Ich könnte diese Liste schier unendlich fortsetzen.

Wie würden Sie die Frage nach ihrem Glück beantworten? Was ist für Sie der Inhalt von Glück? Schwierige Frage – nicht wahr?! Wenn Sie ein Kind fragen, hören Sie ganz schnell eine Antwort. Ein Glück, dass ich diese Mutter, diesen Vater, diese Schwester habe, dass wir gesund sind, ein schönes Zuhause haben, in Urlaub fahren können, dass es mir gut geht in der Schule – und ich so manchen 2er schreibe.

Das ist ganz schön viel, was sich ein Kind unter Glück vorstellt. Und wenn man das hat – die Familie, die Wohnung, den Urlaub, den Erfolg - ist man dann zufrieden?

Mancher sucht ja sein Glück wie die Brille, die er auf der Nase trägt, d.h. er weiß gar nicht, was er da sucht und weiß womöglich gar nicht, dass er schon längst das hat, wonach er sucht – das Glück. Und wenn man ihn dann darauf hinweist, wird er sagen: nein – ich bin nicht glücklich – ich habe kein Glück.

Einem solchen Menschen antworte ich dann immer sehr gerne: Mag ja sein, dass Du gerade, so wie es Dir geht, wirklich nicht glücklich bist. Aber wer sagt Dir, dass dies nun so bleiben muss. Nichts auf dieser Welt ist endgültig. Es lässt sich immer wieder Neues entdecken. Allerdings dürfen Sie dabei nicht an das denken, was Sie verloren haben, sondern an das, was Sie für andere sein können und anderen geben können. Sie fragen sich, was Sie geben können? Ich glaube, dass Spuren von Glück jeden Tag durchziehen. Wichtig wäre, diese Spuren bei sich zu entdecken, unterwegs zu bleiben, eine Richtung einzuschlagen, sich nicht im Kreise drehen. Und ferner glaube ich, die Tür zum Glück geht immer nach außen auf. Damit meine ich den Weg zum Mitmenschen. Bleiben Sie nicht allein, schauen Sie sich um, entdecken Sie den Menschen neben sich. Vielleicht geht er ein kleines Stück mit Ihnen – das wäre schon ein echtes Glück. Mehr noch – in jedem Menschen begegnet Ihnen ein Gedanke Gottes. Und schon ist es nicht mehr nur Glück – sondern eine Gottesbegegnung. Und daraus wächst – so hoffe ich – ein neues Vertrauen – zu Gott, zu sich selbst – zum Leben. Stellen Sie doch ihr Glück einfach mal auf die Probe.
Viel Glück.

Diakoniepfarrer Jürgen Pratz, Asperg