Andacht am 14.02.2013, Prädikantin Bettina Weidenbach

Wertschätzung – Achtung – Respekt – Würde – Liebe -  Barmherzigkeit

Das Miteinander ist nicht immer eine einfache Sache. Vielleicht wäre es einfacher, wenn wir alle gleich wären? Hm… oder noch schwieriger?
Wir sind Geschöpfe Gottes, eines Gottes, der offenbar die Vielfalt und die Unterschiedlichkeit liebt und bevorzugt. Wenn ich die Natur anschaue, dann stehe ich manchmal wie ein kleines Kind mit offenem Mund und großen Augen davor:
- 250.000 unterschiedliche Blumenarten gibt es wohl weltweit
- 100.000 verschiedene Pilzarten kennt man heute
- 9.800 verschiedene Vogelarten sind bisher bekannt
- und man glaubt es kaum, 3.000 Wurmarten wurden bisher entdeckt

Alles ist offensichtlich wohl bedacht, eine ziemlich vielfältige Angelegenheit, wie ich finde. Nun ja, wenn wir Menschen uns betrachten, wird die Vielfalt der Schöpfung ja gleich nochmal bestätigt.

Ich lade Sie ein, sich einmal umzuschauen, finden Sie jemanden, der so aussieht, wie Sie? Suchen Sie doch nochmal genauer! Niemanden gefunden, der so aussieht wie Sie?

Ok, dann machen wir einen anderen Versuch: Lächeln Sie sich mal gegenseitig an, kann jemand genau so lächeln, wie Sie es können? Jetzt werden Sie sicherlich das gleiche Lächeln nochmal finden!

Wieder nichts? Oh je, verstehen Sie jetzt, warum sie das Lächeln nicht vergessen sollten? Niemand kann Sie in dieser Sache echt so richtig vertreten. Stellen Sie sich vor, Ihr Lächeln fehlt auf dieser Erde, weil Sie vergessen haben, es zu tun und es niemand anderes so hinkriegt wie Sie…
Sie sind besonders und einzigartig und stellen Sie sich vor, in meiner Bibel steht sogar etwas über Sie, ehrlich gesagt in jeder Bibel steht was über Sie, nicht nur in meiner …

Ich lese Verse aus Psalm 139: 
Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken. Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen. Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge - du, Herr, kennst es bereits. Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.
Denn du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast. Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke. Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, waren meine Glieder dir nicht verborgen. Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war.

Ich finde das einfach der Hammer: geplant, gewollt, geliebt… ICH… das hört man nicht jeden Tag. SIE sind geplant, gewollt, geliebt – auch wenn es sich menschlich nicht immer so anfühlt, aber hier steht es! Gott wollte Sie, Sie sind ein Gedanke Gottes! So normal oder unnormal wie Sie sind, so anders oder doch nicht anders – halt in der Vielfältigkeit, die Gott offensichtlich ziemlich gut findet.

Geliebt und wertgeschätzt zu sein, einfach nur weil man ist, wie man ist. Hier bei Gott geht es nicht um das Tun, das was wir leisten, sondern um unser Sein. Das tut doch mal richtig gut!
Wir existieren und SIND erst mal, auch wenn wir noch gar nichts geleistet haben. Wie schnell kann es im Leben auch so anders kommen. Wie schnell können wir nicht mehr tun, was wir so gerne tun würden und sind dann auch nicht mehr die, die siegessicher Erfolge einfahren.

Der Großvater und sein kleiner Enkel
Es war einmal ein Großvater der schon sehr, sehr alt war. Seine Beine gehorchten ihm nicht mehr, die Augen sahen schlecht, die Ohren hörten nicht mehr viel und Zähne hatte er auch keine mehr. Wenn er aß, floss dem alten Mann manchmal die Suppe aus dem Mund. Der Sohn und die Schwiegertochter ließen ihn deshalb nicht mehr am Tisch essen, sondern brachten ihm sein Essen hinter den Ofen, wo er in seiner Ecke saß.
Eines Tages, als man ihm die Suppe in einer Schale hingetragen hatte, fiel ihm die Schale aus der Hand und zerbrach. Die Schwiegertochter machte dem Greis große Vorwürfe, dass er ihnen im Haus alles beschädige und das Geschirr zerschlage, und sagte, dass sie ihm von jetzt an das Essen in einem Holzschüsselchen geben werde. Der Greis seufzte nur und sagte nichts. Als der Mann und seine Frau einige Tage später zuhause beisammen saßen, sahen sie, dass ihr Söhnchen auf dem Fußboden mit kleinen Brettern spielte und versuchte etwas zu zimmern. Der Vater fragt ihn: „ Was soll das denn werden, Mischa?“ Und Mischa antwortete:“ Das soll ein Holzschüsselchen werden, Väterchen. Daraus werde ich dir und Mutter zu essen geben, wenn ihr alt geworden seid.“
Der Mann und die Frau sahen sich an und weinten. Ihnen wurde plötzlich bewusst, wie sehr sie den Greis gekränkt hatten und sie schämten sich. Fortan ließen sie ihn wieder am Tisch sitzen und waren freundlich zu ihm.

Geliebt weil ich bin, nicht weil ich in den vorgegebenen Rahmen passe und den Anforderungen entspreche, oder erfolgreiche Taten vollbringe. Gott liebt Sie, mit oder ohne Titel, mit oder ohne Auszeichnung und Pokal, denn davon habe ich in meiner Bibel noch nichts gelesen.

Gott setzt uns nicht in eine Ecke hinter den Ofen und er speist uns auch nicht mit einem Holzschüsselchen ab, dazu sind wir ihm zu wertvoll. Egal welchen Scheiß wir gebaut haben, letztes Jahr, letzte Woche oder gestern – darum geht es hier nicht! Gott liebt uns, weil wir einfach nur SIND! Und weil wir das nicht immer so glauben können oder vielleicht auch einfach vergessen, schenkt er uns manchmal Menschen, die uns über den Weg laufen und uns zeigen, dass wir wertvoll sind, egal wie wir sind oder was wir sind.

Das wünsche ich Ihnen heute: Einen Mischa, der vorbeikommt und Sie durch sein Verhalten daran erinnert, dass Sie ganz besonders sind, dass Sie wertvoll sind, gewollt und geliebt sind! Sie sind von Gott!

Amen.