Andacht am 27.02.2010, Pfarrerin Vogt

Liebe Vesperkirchenleute, also alle, die hierher zum Essen kommen und alle, die hier mit so viel Engagement helfen,

als Wort zur Mitte des Tages möchte ich Ihnen eine kleine, amüsante Geschichte vorlesen, die gehaltvoller ist, als es auf den ersten Blick den Anschein hat:

Ein Pfarrer saß an seinem Schreibtisch am Fenster und bereitete eine Predigt über die Vorsehung vor, als er plötzlich eine Explosion zu hören glaubte. Bald sah er auch Menschen in Panik hin und her laufen und erfuhr, dass ein Damm gebrochen war, der Fluss Hochwasser führte und die Bevölkerung evakuiert wurde.
Der Pfarrer sah, wie das Wasser auf der Straße stieg. Es fiel ihm schwer, die aufsteigende Panik zu unterdrücken, aber er sagte sich: „Ausgerechnet jetzt arbeite ich an einer Predigt über die Vorsehung, da erhalte ich Gelegenheit zu praktizieren, was ich predige. Ich werde nicht fliehen. Ich werde hier bleiben und auf Gottes Vorsehung, mich zu retten, vertrauen.“
Als das Wasser bis zu seinem Fenster stand, fuhr ein Boot vorbei, und die Menschen darin riefen ihm zu: „Steigen Sie ein, Herr Pfarrer.“
„Oh nein, Kinder“, sagte der Pfarrer zuversichtlich, „ich vertraue auf die Vorsehung. Gott wird mich retten.“
Er kletterte jedoch auf das Dach, und als das Wasser auch bis dorthin stieg, kam ein weiteres Boot voller Menschen vorbei und sie drängten den Pfarrer, einzusteigen. Wiederum lehnte er ab.
Dieses Mal stieg er bis in die Glockenstube. Als ihm das Wasser bis zu den Knien reichte, schickte man einen Polizeioffizier mit einem Motorboot, um ihn zu retten. „Nein danke, Herr Offizier“, sagte der Pfarrer ruhig lächelnd. „Sehen Sie, ich vertraue auf Gott. Er wird mich nicht im Stich lassen.“
Als der Pfarrer ertrunken und zum Himmel aufgestiegen war, beklagter er sich sofort bei Gott. „Ich habe Dir vertraut! Warum tatest Du nichts, um mich zu retten?“
„Nun ja“, erwiderte Gott, „immerhin habe ich drei Boote geschickt.“

So endet die Geschichte.

Jede Hilfe muss angenommen werden, wenn sie wirksam werden soll. Wenn die Hilfe nicht unseren Vorstellungen entspricht, also nicht so auf uns zu kommt, wie wir sie gerne hätten, oder wie wir sie uns – vielleicht sogar unbewusst - ausgemalt haben, dann erkennen wir sie möglicherweise nicht und nehmen sie deshalb nicht an. Wir machen uns laufend Vorstellungen von der Zukunft und das müssen wir auch, sonst könnten wir nicht überleben. Ich meine, die Geschichte macht uns bewusst, dass wir nicht zu sehr an unseren Vorstellungen festhalten, sondern uns auf die Wirklichkeit einlassen sollten.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen noch einen schönen Vesperkirchen-Samstag.